Archiv für den Monat: März 2006

Deutschland eins, Frankreich zwei

Das erste Länderspiel in Hagen seit 20 Jahren! Die örtlichen Käseblätter überschlagen sich vor Freude, bringen fulminante Sonderberichte und sinnfreie Kurzinterviews mit lokalen Lehnsherren Sportfunktionären.

Alle Hagener fühlen sich angesprochen: Der Rentner in seiner brauner 70er-Kordhose, der Teenager mit Fotohandy und Trainingsjacke, der Fußballpapa mit Deutschlandschalkind auf den Schultern, die Mutter mit Thermoskanne und Taschentüchern im Rucksack.
Na gut, es waren nur die U18-Junioren von Deutschland und Frankreich, die da gestern Abend auf gefrorenem Rasen dem Ball hinterher liefen, aber in Hagen freut man sich und feiert — wie üblich selbstverliebt und übertrieben — das Sportereignis des Jahres im Ischelandstadion bei Bratwurst und Bier, Stehplatz vier Euro.
Da stört es auch wenig, wenn die Amateurkapelle Schülerkapelle des SSV THG-Gymnasiums die Marseillaise krumm und schief und viel zu früh anstimmt. Ein Offizieller will Schlimmeres verhindern, rennt aufs Spielfeld, man hört nicht was er sagt, aber es wird in die Richtung Wartet doch wenigstens bis die Spieler auf dem Feld sind! gegangen sein.

Die erste Halbzeit kann getrost vorgespult werden. 45 Minuten langweiliges Mittelfeldballgeschiebefehlpassfestival ohne echte Torchancen. Das Highlight ist noch der Stadionsprecher, der die französischen Gäste in ihrer Landessprache begrüßen will und dabei seine 4- im Grundkurs Französisch der siebten Klasse offenbart.
Die Sonne verschwindet, Reißverschlüsse werden hoch- und Handschuhe angezogen, und nach der amateurhaftesten Halbzeitshow des bekannten Universums entwickelt sich dann so etwas wie ein Fußballspiel. Beide Mannschaften ergaunern sich mehrere Chancen, und tatsächlich trifft ein Franzose irgendwann zum 0:1. Immerhin kein null zu null, einige sind erleichtert. Keine fünf Minuten später der Ausgleich; ein leichtsinniger Fehler des französischen Keepers wird in klassisch deutscher Abstaubermanier zum 1:1 verwandelt. Die 11.300 Zuschauer jubeln, deutsche Fahnen werden geschwenkt. Na also! und Geht doch! hallt es durch das fast ausverkaufte Stadion, es wird sich auf die Schulter geklopft, hunderte Papierflieger schweben über das Publikum in Richtung Spielfeld, die Bratwurststandschlange wächst auf 30 Meter.
Die Freude währt bis zehn Minuten vor Schluss, als ein französischer Linksfuß einen Freistoß in den rechten Winkel dreht, 2:1, die Franzosen tanzen, die Deutschen sind sauer, die Fahnen bleiben ruhig.
Einen hat der Stadionsprecher noch: Achtung, eine Durchsage: Herr Esser wird am Würstchenstand erwartet. Das Volk ist amüsiert, wir sind im Ruhrgebiet.

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Dieser Eintrag wurde auch bei blong.de veröffentlicht. Die Fotos sind privat aufgenommen.

Hagen tztztz !

Hagen ist wirklich keine Stadt zum wohl fühlen, im Gegenteil das ist der Horror hier… nur Spacken… ich habe schon kein Bock mehr überhaupt aus dem Haus zu gehen…

Ich kann euch sagen das einzig gute an Hagen ist:

Die Vorwahl !!!